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2021 - Gegen das Vergessen

2021 - Gegen das Vergessen - Zeitzeugin schildert ihre Erlebnisse während des WK II

Die Zeitzeugin Erika Rüdel (Jahrgang 1930) ließ bei einer spannenden und informativen Zeitreise mittels anschaulicher Schilderungen und spannender persönlicher Erzählungen  bei den Zehnklässlern der Realschule Blaufelden die Zeit des Zweiten Weltkrieges ein Stück weit lebendig werden. 

Das Ende des Zweiten Weltkrieges mit seinen fast 70 Millionen Kriegstoten liegt mehr als 76 Jahre zurück. Warum sollen Erlebnisse und Ereignisse aus diesen längst vergangenen Zeiten gepflegt und wach gehalten werden? Diese Frage stellte Rektorin Dorothea Seth-Blendinger an den Beginn des Vortrages von Erika Rüdel vor den Zehnklässlern der Realschule Blaufelden. Zeitzeugen können, so die Rektorin, durch ihre hautnahen und authentischen Berichte die Geschehnisse aufrecht erhalten und zur Wachsam- und Achtsamkeit mahnen, damit es nie wieder zu einer Wiederholung solch schrecklicher Ereignisse kommen kann. Die neunzigjährige Erika Rüdel, die heute in der Nähe von Rothenburg lebende Mutter von Frau Seth-Blendinger, hat einen Teil ihrer Kindheit und Jugend in den wechselvollen Kriegswirren im Elsaß erlebt. Bedingt durch die zunehmenden alliierten Luftangriffe war die Familie der Referentin 1941 vom westdeutschen Ballungsraum ins elsäßische Ottweiler umgesiedelt, wo sie als so genannte "Reichsdeutsche" die Umerziehung ihrer französischen Nachbarn hautnah miterlebte. Die Dorf- und Straßennamen wurden "eingedeutscht", ihre Mitschüler mussten deutsche Vornamen annehmen. Eindrucksvoll schilderte die Zeitzeugin den Kriegsalltag mit seiner Mangelwirtschaft. Die Bevölkerung musste seine Habseligkeiten der kämpfenden Truppe "opfern". Doch die Zeiten änderten sich. Der 22. November 1944, der Tag der "Befreiung" des Elsaß durch amerikanische Truppen, stellte den Wendepunkt im Kriegsverlauf in der Gegend um Straßburg dar. Die deutschen Truppen zogen sich vor den anrückenden Alliierten ostwärts über den Rhein zurück. Der Versuch der Familie von Erika Rüdel, sich in deutsches Gebiet durchzuschlagen, misslang. Sie wurden notgedrungen nun zu "Franzosen" und mussten die Säuberungs- und Entnazifizierungsmaßnahmen der Amerikaner und der damit verbundenen Sammlung der "Reichsdeutschen" in speziellen Lagern miterleben. Anekdotenreich schilderte Erika Rüdel, wie das Rad der Geschichte wieder zurück gedreht und wie ihre eigenes Leben und ihre eigene Identität von heute auf morgen "französisch" wurden. Aus Furcht vor der französischen Revanche nach Abzug der Amerikaner flüchtete Erika Riedel mithilfe von Verwandten über die Schweiz in deutsches Gebiet. In eine Begebenheit, die sich viele Jahre nach Kriegsende während eines Besuches in Straßburg in der "Rue du 22 Novembre" zugetragen hat, verpackte Erika Rüdel die Botschaft ihres Vortrages. Als sie nämlich dort einen älteren Mann fragte, ob der die Bedeutung dieses Straßennamens kenne, antwortete dieser mit einem zweisprachigen Aufschrei: "Nie wieder Krieg!" Erika Rüdel ist eine begnadete Erzählerin, die es trefflich versteht, ihre Zuhörer mittels Modulation der Stimme, mittels Mimik und Gestik in ihren Bann zu ziehen. Gebannt lauschten die Zehnklässler den eindrucksvollen Schilderungen der Erzählerin. Die berühmte Stecknadel - man hätte sie fallen hören. Die Kunst des Erzählens hat auch bei der jungen Generation augenscheinlich nichts an Faszination eingebüßt.